19. August 1942 – 25. August 2026

Erika Fučik wurde am 19. August 1942 als zweites von fünf Kindern der Eheleute Franz Fučik und Frau Gertraud, geb. Fiala, in Wien geboren. Ihr Vater war Schlosser, die Mutter im Haushalt tätig. Am 30. August 1942 wurde Erika in der Marienkirche im 17. Bezirk getauft. Bereits in ihrem fünften Lebensjahr musste sie von zu Hause fort, da ihre Mutter sehr schwer erkrankte und am 12. März 1948 im Alter von 28 Jahren starb. Gemeinsam mit ihrer um ein Jahr jüngeren Schwester Elfi kam sie in ein Internat. Von 1948 bis 1952 besuchte sie im Kinderheim der Schwestern vom Armen Kinde Jesus in Maria Enzersdorf bei Mödling die Volksschule. Am 18. Mai 1950 empfing sie dort die erste heilige Kommunion. Die Hauptschule besuchte sie von 1952 bis 1956 bei den Borromäerinnen in Biedermannsdorf in Niederösterreich. Gefirmt wurde sie am 28. Mai 1955 im Dom zu St. Stephan durch Kardinal Dr. Theodor Innitzer. Nach Beendigung der Pflichtschulzeit kam sie in ein Lehrlingsheim zu den Josefsschwestern nach Wien. Hier begann sie ihre dreijährige Lehrzeit für das Damenschneidergewerbe. Bereits am 19. Oktober 1959 beendete sie diese Berufsausbildung mit der Gesellenprüfung in der Damenkleidermacherinnung Wien.
Schon während ihrer Lehrzeit spürte sie immer wieder den Ruf zum Ordensleben. In diesen Jahren lernte sie die Schwestern von der Schmerzhaften Mutter in der Hasnerstraße (1160 Wien) kennen und konnte mit ihnen durch Zufall Kontakt aufnehmen. Am 15. November 1959 trat sie in die Gemeinschaft ein. Nachdem sie schon immer ein großes Interesse an der Arbeit mit Kindern hatte, begann sie im September 1960 mit der Ausbildung zur Kindergärtnerin und Horterzieherin in der Bildungsanstalt der Kongregation der Töchter des Göttlichen Heilandes in der Kenyongasse (1070 Wien). Nach einer dreijährigen Ausbildung beendete sie diese am 21. Juni 1963. Noch im selben Jahr, am 12. August 1963, wurde sie eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Maria Regina vom bitteren Leiden. Schon im zweiten Noviziatsjahr übernahm sie eine Kindergartengruppe im Provinzhaus Wien Simmering. Die ersten Gelübde durfte sie am 12. August 1965 versprechen, am 12. August 1970 feierte sie ihre Ewige Profess, am 15. September 1990 ihr 25-jähriges, am 20. September 2015 ihr 50-jähriges und am 20. September 2025 ihr 60-jähriges Professjubiläum.
Von 1964 bis 1992 war sie Horterzieherin und Kindergärtnerin, wobei sie in den letzten 19 Jahren die Leitung des Kindergartens überhatte. Bis auf kurze Unterbrechungen war ihre Kindergartentätigkeit immer in Wien Simmering. Von 1972 bis 1984 war sie auch Mitglied des Kuratoriums der Interessensgemeinschaft kirchlicher Kindergärten und Horte der Erzdiözese Wien. Von 1972 bis 2009 hatte sie Verantwortung für die Erhaltung von Kindergarten und Hort in Simmering.
Ihr großes Interesse für Musik konnte sie schon in frühen Jahren in der Kindheit entwickeln: Bereits mit 9 Jahren durfte sie Klavier spielen lernen. Gitarre, Flöte und Akkordeon lernte sie während ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin. 1967 bis 1969 machte sie der Kurse für Kantoren- und Orgelausbildung an der Diözesankommission für Kirchenmusik der Erzdiözese Wien. Sie absolvierte den Theologischen Laienkurs 1967-1969 und wiederholte ihn in den Jahren 2009 bis 2012 mit Schwerpunkt auf nachkonziliare Theologie.
Bereits im Jahre 1965 wurden ihr kleinere Büroarbeiten anvertraut. Innerhalb der Ordensgemeinschaft hatte sie von 1969 bis 2020 vielfältige Ämter inne: Provinzsekretärin, Provinzökonomin, Provinzrätin in Österreich, Ökonomin in Österreich, Noviziatsleiterin, ICD-International Community Development in U.S.A., Formationsleiterin, von 1997 bis 2007 Generalrätin, Regionalassistentin und Regionalsekretärin in der Region Deutschland, gesetzliche Vertreterin in Österreich.
Von 2004 bis 2014 war sie Mitglied im Ethikbeirat bei Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. in Österreich.
Sr. Regina absolvierte vielfältige Aus- und Weiterbildungen: Maschinschreiben, Stenographie, Buchhaltung; Erwachsenenbildung; Exerzitienbegleiterin, geistliche Begleiterin, Kommunionspenderin; Fastengruppenleiterin, Kurs- und Seminarleiterin.
All ihre vielfältigen Fähigkeiten und Ausbildungen hat Sr. Regina immer in den Dienst vieler Menschen und ihrer Gemeinschaft gestellt, die ihr sehr wichtig war.
Sr. Regina setzte auch österreichweit im Kindergarten- und Hortbereich vielfältige Initiativen. Sie engagierte sich in der INFAG (Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft), baute die SSM-Angegliedertenbewegung in Österreich und später in Deutschland auf und brachte die grundlegenden Ideen für die Entwicklung des Franziskanischen Begegnungszentrums in Wien Simmering.
In den letzten Jahren hat sie vor allem als Exerzitienbegleiterin, geistliche Begleiterin, Fastengruppenleiterin, Kurs- und Seminarleiterin, bei ehrenamtlichen Diensten in der Gesprächsinsel, im Deutschlerncafé im Kardinal-König-Haus und bei Solwodi gearbeitet.
Die Liebe zur Musik prägte ihr ganzes Leben. Sie besuchte sehr gern klassische Konzerte.
Sr. Regina war eine humorvolle, lebensfrohe, optimistische, begeisterungsfähige und kreative Person. Sie konnte gut organisieren, war kontaktfreudig und liebte es, Brücken zu bauen. Sie war unglaublich vielseitig in ihren Interessen, hatte Freude am Lernen und daran, andere zu ermutigen. Sie hörte zu, war verschwiegen, teilte Zeit, Informationen, Materialien etc. Durchhaltevermögen, Dienstbereitschaft und Gastfreundschaft waren ihr wichtig. Viele Stunden verbrachte sie auch an der Seite von sterbenden Mitschwestern. Sr. Regina liebte es, ihre Gedanken aufzuschreiben, ob es in Form von Tagebüchern war oder in kleinen Gebets- und Spruchsammlungen. Die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle war ein Grundzug ihres Lebens. Zu Brasilien hatte sie eine besondere Beziehung, nachdem ihr hier nach einem schweren Autounfall am 1. Mai 2001 ein zweites Leben geschenkt worden war. Sie wollte auch brasilianische Erde in ihrem Grab haben.
Sr. Regina pflegte ihre wenigen sehr tiefen Freundschaften, solange es ihr möglich war. Ihre letzten Jahre waren von schwerer Demenz geprägt, die ihr ihre Stimme raubte. Zuerst wurde sie einige Jahre in ihrer Lokalgemeinschaft in Simmering gepflegt und die letzten Monate war sie bei den Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (den Hartmannschwestern) in liebevoller Pflege, bis Gott sich ihrer am 25. August 2026 erbarmte.
Die Beisetzung auf dem Friedhof Simmering feierten wir am 25. September und anschließend den Auferstehungsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Laurenz, weil die Kapelle in Simmering zu klein war.
Ihr Lebensmotto fasste sie so zusammen: „Entschieden für den menschenfreundlichen Gott des Lebens, verfügbar den Schwestern und Brüdern, der EINEN Welt nahe.“ – möge dieser menschenfreundliche Gott ihr eine ewige Heimat geben und sie mit ihrer so früh verstorbenen Mutter wieder vereinen.
Verfasst von Sr. Gudrun Schellner
